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Praxisprojekt Mediation

 

Nach dem Abschluss einer Mediationsausbildung ist es für viele Teilnehmer/innen nicht einfach, die gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten in die Praxis der Mediation umzusetzen. Um diese Lücke zu schließen, hat das mediationsbüro mitte das „Praxisprojekt Mediation“ entwickelt. Die Teilnahme am Projekt bieten wir allen Absolvent/innen unserer Jahresausbildung Mediation an.

 

Die Projektteilnehmer/innen werden als Assistenten/innen bei geeigneten Mediationsprozessen Erfahrungen sammeln. Sie können mit supervisorischer Begleitung auch selbständig Mediationen durchführen, die über das Praxisprojekt akquiriert werden. Im Regelfall werden diese Mediationen kostenfrei angeboten.

 

Das „Honorar“ der Projektteilnehmer ist die Erfahrung, die Freude am Erfolg gelungener Prozesse, die Dankbarkeit der Klient/innen und die Zufriedenheit darüber, einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet zu haben, die Akzeptanz und die Bekanntheit von Mediation weiterhin zu erhöhen.

 

Die fachliche Aufsicht für diese Mediationsprozesse liegt beim mediationsbüro mitte.

 

 

Praxisbeispiel: Mediation "Hausprojekt"

 

Mediator/innen: Britta Sembach und Gerd Schmitt

Mediant/innen: 10 Bewohner/innen eines Hausprojektes

Zeitraum der Mediation: 3 Sitzungen von jeweils drei bis vier Stunden

 

Kurzbericht

Über eine Kartenabfrage wurden folgende Themen entwickelt: Bauen im Projekt, Kommunikation, Organisation des Alltags, Perspektive des Projekts und das Verhältnis von Individuum und Gruppe. Mit der Methode "Klimakonferenz" wurde das Themenfeld Kommunikation weiter ausdifferenziert. So wurden unterschiedliche Bedürfnisse klar. Und bereits vorhandene positive Ressourcen der Mediant/innen herausgearbeitet. Durch zwei inhaltliche Inputs zu dem Kommunikationsmodell von Schulz von Thun sowie zu dem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) erhielten die Mediant/innen einen Einblick in verschiedene Handlungsmöglichkeiten in einer schwierigen Gesprächssituation. Entlang der vier Schritte der GFK erhellten wir einen konkreten Konflikt zwischen den Bewohner/innen des Hausprojektes. Die Mediant/innen äußerten sich anschließend an die Übung positiv überrascht, wie klärend es sein kann, sich offen und respektvoll über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse sowie die Differenzen in der Wahrnehmung auszutauschen. In der dritten Sitzung wurde zu dem Thema Organisation des Alltages gearbeitet. Um Hemmungen bei der konkreten Benennung von Konflikten zu kompensieren, arbeiteten wir  mit Visualisierungen. Die bewusste Wahrnehmung der gemeinsamen und unterschiedlichen Bedürfnisse verbesserte den Kontakt der Bwohner/innen. Es setzte eine zusätzliche Entspannung und Entlastung ein. Die Median/innen waren äußerst motiviert und zuversichtlich, an diesen Punkten weiter zu arbeiten.

 

Auswertung der Mediation durch die Mediant/innen

"Es war gut mit externen Mediator/innen die Themen so anzugehen, dass die Kommunikation darüber ein Miteinander ergab und kein Gegeneinander."

Insgesamt erlebten die Mediant/innen die Mediation als sehr bereichernd und anregend. Sie empfanden die Atmosphäre als angenehm und entspannt. Durch den Einsatz von kreativen Methoden konnten sie neue Kommunikationstechniken für sich entdecken. Die Mediation öffnete einen Raum für Zuhören und Diskussionen. Der Konflikt wurde deeskaliert, neue Strategien zum besseren Umgang mit Konflikten wurde entwickelt.

"Die Mediation hat uns wieder mehr zusammen gebracht. Alle einzelnen werden mehr beachtet und fühlen sich wahrgenommen."

Insgesamt stimmten die Mediant/Innen darin überein, dass sich durch die Mediation ihre Sensibilität und Empathiefähigkeit für die Gefühle und Bedürfnisse der anderen Personen erweitert haben. Eine weitere Veränderung durch die Mediation bestand darin, dass ein besseres Klima geschaffen werden konnte und sich alle mit größerer Offenheit begegnen.

Die Zusammenarbeit mit den Mediator/innen bewerteten alle Mediant/innen als sehr gut: "Sie waren interessiert, engagiert und nett." Auch in der Frage, ob sie Freund/innen, Bekannten, oder Kolleg/innen Mediation empfehlen würden, waren sich die Mediant/innen einig: "Ja, auf jeden Fall."

 

 

Praxisbeispiel: Mediation "Schulmediation"

 

Mediator/innen: Kerstin Bazin und Gerd Schmitt

Mediant/innen: 10 Grundschüler/innen einer Förderschule sowie die anwesende Lehrerin

Zeitraum der Mediation: 7 Sitzungen von jeweils zwei Schulstunden

 

Kurzbericht

In der Klasse war es zu Mobbing gekommen. Nach Absprache mit der Lehrerin bestand das Ziel dieser Klassenmediation darin, die kaum vorhandene Klassengemeinschaft zu stärken und den Schüler/innen Alternativen zum Umgang mit Konflikten im Schulalltag zu eröffnen. Mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (GFK) wurde daran gearbeitet, den Schüler/innen mehr Möglichkeiten des Zugangs und des Umgangs mit ihren Gefühlen zu erschließen. Dadurch wurde die Grundlage für einen Perspektivwechsel und Empathie für die Bedürfnisse der Mitschüler/innen geschaffen. Aufgrund der geringen Aufmerksamkeitsspanne der Förderschüler/innen fand ein häufiger Methodenwechsel statt, so dass der Kontakt zu ihnen gewährleistet werden konnte. Verschiedene Bewegungs- und Kooperationsübungen erschlossen den Förderschüler/innen neue Handlungsmöglichkeiten in Konfliktsituationen. In Einzel- und Partner/innenarbeit, wie z.B. das Einzeichnen von körperlichen Reaktionen des Gefühls Wut in eine Vorlage, erfuhren sie viele `Aha-Erlebnisse´. Diese wurden durch stetige Austauschrunden mit allen im Stuhlkreis vertieft. Eine feste Rahmung der einzelnen Sitzungen bildeten die Blitzlichtrunde zu Beginn und die Abschlussrunde am Ende, in denen die Schüler/innen dazu eingeladen wurden, zu erzählen, wie es ihnen geht und welche Gefühle sie bei sich wahrnehmen. Dies stellte eine große Herausforderung für sie dar. Unterstützt wurde dieses Ritual durch "Gefühlsmonsterkarten", die den Schüler/innen ein breiteres Spektrum an Gefühlsäußerungen ermöglichte. Zu einem wichtigen Symbol der Arbeit, auf das die Schüler/innen auch immer wieder selbständig Bezug nahmen, wurde die Giraffe, eine Handpuppe aus der GFK. Sie symbolisiert die Achtsamkeit mit sich selbst und anderen. Sie schafft es, aufgrund ihres langen Halses, in schwierigen Situationen immer den Überblick zu bewahren und sich nicht von den Gefühlen überfluten zu lassen.

 

 

Auswertung der Mediation durch die Lehrerin

"Einige Schüler hatten große Schwierigkeiten, sich überhaupt auf die Situation einzulassen und konnten manchmal kaum oder gar nicht mitarbeiten. Daran hat sich über den gesamten Zeitraum nichts geändert. An anderen Schülern habe ich große Geduld und viel Einfühlungsvermögen beobachtet. Die gesamte Klasse fand erstaunlich schnell Vertrauen zu den Mediator/innen und griff auch in Konfliktsituationen außerhalb der Mediation auf Erlerntes (z.B. Verhalten einer Giraffe) zurück."

Für die Lehrerin ergaben sich gute Beobachtungsmöglichkeiten bezogen auf einzelne Schüler/innen, da die Mediation in einem vom Unterricht losgelösten Kontext stattfand. Die Zusammenarbeit mit den Mediator/innen wurde als ermutigend, kooperativ, problemorientiert und offen wahrgenommen. Die Frage, ob sie Freund/innen, Bekannten oder Kolleg/innen Mediation empfehlen würde, beantwortete die Lehrerin mit einem klaren "Ja.".

 

 

Praxisbeispiel: Paarmediation "Wiederbegegnung"

 

Mediatorinnen: Sandra Pohl und Bettina Wagner Mundt

Mediant/innen: 2 junge Erwachsene

Zeitraum: 5 Sitzungen von jeweils 1,5 - 2 Stunden

 

Kurzbericht

Die Mediant/innen hatten sich vor längerer Zeit getrennt - auch räumlich - und sind sich jetzt wieder als gemeinsame Bewohner/innen eines Hausprojektes begegnet. Das Zusammenleben läuft nicht ohne Spannung ab und Konflikte zwischen beiden verhindern eine entspannte Wohnatmosphäre. Beide fanden, dass es so nicht weitergehen kann.

Am Anfang der Mediation wurden Ziele und Themen der Mediation erarbeitet. Bei den Zielen waren sich die Mediant/innen einig, bei den Themen gab es nur teilweise Übereinstimmungen. Es war ein deutliches Ungleichgewicht der Gesprächsanteile erkennbar. Die eine Konfliktpartei äußerte sich klar, formulierte Erwartungen an die Mediation und an das Verhalten der anderen Person. Es fiel auf, dass die Formulierungen teilweise unverändert mehrfach geäußert wurden, wie "ab Schallplatte". Die andere Konfliktpartei wirkte zurückgezogen. Sie sagte wenig, versuchte vorwiegend auf die Aussagen des Gegenübers zu reagieren und es zu verstehen, was ihr nicht gelang. An diesem Punkt waren die beiden offenbar schon vor der Mediation mehrfach angekommen. Trotz Hilfe von Freunden war jedoch eine Verständigung ausgeblieben. In der Mediation wurde deshalb erst einmal an der Verständigung gearbeitet. Intensives Spiegeln, vor allem der Gefühle, brachte neue Aspekte zum Vorschein. Hilfestellungen beim Umformulierungen von Erwartungen an die jeweils andere Konfliktpartei in Form von Ich-Botschaften waren fruchtbar. Unterstützung bei der Klärung eigener Bedürfnisse, sowie das Anbieten von alternativen Erklärungsmodelle für das Verhalten des anderen, brachten Bewegung in die erstarrten Kommunikationsmuster und ermöglichten neue Sichtweisen. Die Konfliktparteien brachten sich nun zu gleichen Teilen ein, der Umgangston war sichtbar entspannter geworden.

 

Auswertung der Mediation durch die Mediant/innen:

"Es wurde die Möglichkeit geschaffen, sich zuzuhören in einem sicheren Gesprächsrahmen." Der konkrete Konflikt hat sich unabhängig von der Mediation durch eine Änderung der Wohnsituation entschärft. Durch die Mediation geändert hat sich, dass die Möglichkeit zu einem weiteren Austausch gesehen wird. "Wo vorher Resignation gewesen ist, gibt es jetzt den Wunsch nach Auseinandersetzung." Im alltäglichen Umgang miteinander sei es nun möglich, sich kürzere Zeit entspannt auf einer Smalltalk-Ebene zu unterhalten.

Die Mediant/innen fanden die Arbeit der Mediatorinnen sehr gut. "Sie waren bemüht den jeweiligen Anliegen und Gefühlen Platz zu geben und haben durch verschiedene Methoden an Pattsituationen Möglichkeiten eröffnet." Sie fanden die Mediation zeit- und energieaufwendig. Trotzdem antworteten sie auf die Frage, ob sie Mediation empfehlen würden: "Ja, sehr empfehlenswert bei Konflikten verschiedenster Intensität." Sie wollen die Mediation fortführen und in diesem Rahmen weitere Themen zwischen ihnen angegehen.

 

 

Praxisbeispiel: Gemeinwesenmediation "Senioren/innenarbeit"

 

Mediatorinnen: Nadja Gilbert, Assistenz: Bettina Wagner Mundt

Mediant/innen: Etwa 30 Vertreter/innen von Vereinen für Seniorenarbeit

Zeitraum der Mediation: 3 Stunden

 

 

Kurzbericht:

Aufgrund von Umstrukturierungen sollen die von verschiedenen Vereinen angebotenen Aktivitäten für Senior/innen in einem gemeinsam genutzten Haus stattfinden. Dafür wird das Haus umgebaut und die Nutzung muss geregelt werden. Trotz Umbau ist das Raumangebot knapp. Ein erster Nutzungsentwurf der Stadt hatte zu größeren Konflikten unter den Vereinen geführt. Es gab Beschwerden beim zuständigen Stadtrat, der Nadja Gilbert beauftragte, gemeinsam mit den betroffenen Vereinen die Nutzung der Räume zu schaffen. Dazu lud Nadja Gilbert im Auftrag der Stadt alle beteiligten Vereine zu einem Runden Tisch ein. Dabei wurde sie von Bettina Wagner Mundt assistiert. Es kamen doppelt so viele Leute als erwartet. Die Stimmung war sehr angespannt. Die unterschiedlichen Interessensgruppen setzten sich jeweils separat und sprachen nicht mit den anderen. Die Mediatorinnen erklärten die Absicht der Stadt mit dieser Einladung zum Runden Tisch. Sie strukturieren das Treffen, in dem sie eine kurze Vorstellungsrunde einleiteten und im Anschluss durch Kartenabfrage jedem die Möglichkeit gaben sein/ihr Anliegen zu äußern. Es stellte sich heraus, dass es neben der Raumaufteilung auch noch andere Themen gab, die die Gemüter erhitzten. Diese wurden aufgenommen und in Ruhe besprochen. Viele dieser Probleme konnten schon in diesem Treffen gelöst werden. Durch die deutlich entspanntere Atmosphäre war es möglich über das schwierige Thema Raumaufteilung zu sprechen. Das Problem wurde nun von den Beteiligten ruhig und konstruktiv  bearbeitet. Die Räume wurden einvernehmlich aufgeteilt und der Runde Tisch konnte zufriedenstellend beendet werden.

 

Auswertung der Meditation durch die Mediant/innen:

"Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Ihre ruhige Art hat uns sehr geholfen." "Ich bin so froh, dass das heute so gut gelaufen ist. Ich hatte schlaflose Nächte und jetzt ist alles gelöst." "Ich hätte nicht gedacht, dass das Problem so schnell gelöst wird." "Danke, jetzt haben wir einen guten Anfang für die Zukunft des Gemeinschaftshaus." Die Teilnehmer/innen wirkten entspannt und erleichtert.

 

 

Praxisbeispiel: Konflikttraining in einem sozio-kulturellen Zentrum

 

Mediator/innen: Heike Praetor, Gerd Schmitt, Mirka Tielemann

Mediant/innen: 10 - 15 Mitarbeitende in einem sozio-kulturellen Zentrum

Zeitraum: 3 Workshops zu je 4 - 6 Stunden

 

 

Kurzbericht:

In einem seit mehreren Jahren bestehenden sozio-kulturellen Zentrum kan es immer wieder zu Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitenden. Es entstand der Wunsch, sich grundsätzlich für das Thema "Umgang mit Konflikten" stärker zu sensibilisieren um damit in Zukunft aufkeimenden Konflikten schon in früher Phase der Entstehen entgegenwirken zu können. Ein Teil der Mitarbeitenden hatte Interesse an entsprechenden Workshops und wollten quasi als Multiplikator/innen in den verschiedenen Gremien wirken.

 

Workshops: Zu Beginn wurden die Teilnehmenden mit Grundlagenwissen zu Konflikten vertraut gemacht: "Welche Arten von Konflikten gibt es?", "Was sind Interventionsmöglichkeiten?", "In welchen Stufen entwickelt sich ein Konflikt?" und vor allem: "Wie ist mein eigenes Konfliktverhalten und wodurch ist es zu beeinflussen?". Danach stand das Erlernen von konkreten Werkzeugen, wie z.B. das Aktive Zuhören, Übung von Fragetechniken und Gewaltfreie Kommunikation im Fokus. Ergänzend bekam das Team konkrete Hilfsmittel an die Hand, die es künftig in Teamsitzungen anwenden kann. Darüber hinaus erweiterten die Teilnehmenden ihre Kenntnisse in Übungen zur Unterscheidung von Wahrnehmung und Interpretation, zur Steigerung des Einfühlungsvermögens und zur klaren Formulierung von Gefühlen und den dahinter liegenden Bedürfnissen ("Was will und brauche ich eigentlich?").

Wichtig war in allen drei Workshops, dass nicht nur Kenntnisse vermittelt wurden, sondern dass die Teilnehmenden ständig begleitend die Möglichkeit zum Ausprobieren, zur Übung hatten.

 

Auswertung durch die Teilnehmenden:

Im Anschluss an die Workshops reflektierten die Teilnehmenden, dass ihnen bewusst geworden sei, dass Konfliktlösung ein - zu weilen langer und komplexer - Prozess ist. Die Anwendung von klärenden Methoden und einer vorwurffreieren Kommunikation sei schwierig und würde im Alltag untergehen - so sei es gut gewesen, hierzu Inputs zu Hintergründen/Grundlagen zu bekommen und die methodischen Anwendungen zu üben. Ihnen sei klar geworden, was für eine wichtige Rolle Sprache spiele und dass es sich durchaus lohne Situationen zu deeskalieren, z.B. über Ich-Botschaften, eigene Bedürfnisklärung, Vermeidung von Vorwürfen und sich Zeit zur Klärung von Konflikten zu nehmen. Wichtig sei auch die Erkenntnis gewesen, dass es Konfliktentwicklungen gibt, aus denen nur mit externer Hilfe ein Ausweg gefunden werden kann (z.B. über Nachbarschaftshilfe oder Mediation). Nun wäre es ideal, die in den Workshops gewonnenen Energien und Erkenntnisse aus dem geschützten Raum der Workshopgruppe auf den Rest des Projektes übertragen zu können. Das wollten sie jetzt angehen.

 

 

Praxisbeispiel: Mutter-Tochter-Mediation

 

Mediatorinnen: Jutta Blank und Britta Sembach

Mediantinnen: Mutter und Tochter

Zeitraum: 3 Sitzungen

 

Kurzbericht:

Die Mutter hatte sich mit dem Anliegen an uns gewendet, wieder besser mit ihrer Tochter (13 Jahre) ins Gespräch zu kommen, damit beide weniger Alltagskonflikte miteinander haben. Sie hatte die Befürchtung, dass sich diese irgendwann zu großen Konflikten auswachsen könnten. Im Rahmen von drei Treffen zu je ca. 2 Stunden wurde zu diesem Anliegen gearbeitet.

 

In der Mediation ging es zunächst darum, die Situation genauer zu erfragen und die Themen von beiden herauszuarbeiten, die im Rahmen der Mediation besprochen werden sollten. Mutter und Tochter schilderten ihre gemeinsame häusliche Situation und jeweils aus ihrer Sicht die Konflikte. Es wurde deutlich, dass beide zum Beispiel in Bezug auf Ordnung und Sauberkeit sehr unterschiedliche Vorstellungen haben und dies im Alltag immer wieder zu Auseinandersetzungen führt. Als Oberthemen kristallisierten sich Kommunikation (in Bezug auf Alltagskonflikte) und Vertrauen heraus. Im Rahmen des ersten Treffens konnte ein größerer "Alltagskonflikt" exemplarisch besprochen werden: beide Sichtweisen mit den jeweiligen Gefühlen und Bedürfnissen wurden herausgearbeitet, wodurch ein gegenseitiger Perspektivwechwsel möglich war. Im Anschluss überlegten die Mediantinnen erste Ideen für den Umgang mit solchen Konflikten in der Zukunft. Diese und weitere Ideen sollten bis zum nächsten Treffen im Alltag erprobt werden.

Im Rahmen der beiden nächsten Termine konnten weitere konkrete Konflikte besprochen werden, die in der Zwischenzeit aufgetaucht waren und an dem Thema Vertrauen gearbeitet werden. Methodisch setzten wir unter anderem eine Kartenabfrage und Einzelgespräche ein, um tiefer in die Themen einsteigen zu können. Immer wieder wurde deutlich, dass ein und dieselbe Situation unterschiedlich wahrgenommen wurde. Durch das Beleuchten der Bedürfnisse und Gefühle hinter dem Verhalten im Konflikt, äußerten Mutter und Tochter Verständnis für die Reaktionen der jeweils anderen, die sie zuvor nicht hatten nachvollziehen können. Insbesondere beim letzten Treffen konnte deutlich herausgearbeitet werden, dass die Kommunikation durch den Weg vom Hören über das Verstehen bis zum Einverstanden sein viele Stolperfallen beinhaltet.

Den Abschluss der Mediation bildete die Suche nach Ideen, welche schönen Dinge beide gemeinsam unternehmen könnten. Denn es war deutlich geworden, dass im Alltag schnell das Schwierige im Vordergrund steht und die Energie raubt, Dinge zu hinterfragen und nicht gleich negativ zu interpretieren. Es kam eine lange Liste von Idee zusammen, die beide gerne gemeinsam umsetzen möchten.

 

Auswertung durch die Mediantinnen:

Mutter und Tochter gaben an, die Mediation als neutralen Raum geschätzt zu haben, der sich entspannend auf die Konflikte ausgewirkt habe. Der Umgang miteinander habe sich nach der Mediation dahingehend verändert, dass sie nun besser aufeinander zugehen können. Die Zusammenarbeit mit den Mediatorinnen bewerten sie als sympathisch, hilfreich, offen, direkt und immer um Verständnis bemüht. Und auf die Frage, ob sie Mediation Freund_innen und/oder Bekannten empfehlen würden, antworteten beide mit  "Ja".